EV/EBIT erklärt: Die Bewertungskennzahl mit echten Abschreibungen
EV/EBIT ist der engste Verwandte von EV/EBITDA, unterscheidet sich aber in einem entscheidenden Punkt: Sie lässt Abschreibungen NICHT unberücksichtigt, sondern rechnet sie als reale Kostenkomponente ein. Dieser scheinbar kleine Unterschied kann bei kapitalintensiven Unternehmen erheblich ins Gewicht fallen.
Dieser Artikel erklärt die EV/EBIT-Formel, warum manche Analysten sie EV/EBITDA vorziehen, und wann sich der zusätzliche Blick auf diese Kennzahl besonders lohnt.
Die EV/EBIT-Formel
EV/EBIT = Enterprise Value geteilt durch EBIT (Earnings Before Interest and Taxes, operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern). Anders als EBITDA schließt EBIT Abschreibungen NICHT aus, es zeigt den operativen Gewinn nach Berücksichtigung dieser Kostenkomponente.
Wie bei EV/EBITDA bleibt der Vorteil der Kapitalstruktur-Neutralität erhalten: Der Enterprise Value im Zähler bezieht die Schulden bereits ein, wodurch Unternehmen mit unterschiedlicher Finanzierung fair vergleichbar bleiben, unabhängig vom Zinsaufwand.
Der zentrale Unterschied zu EV/EBITDA liegt also ausschließlich in der Behandlung von Abschreibungen: EBITDA klammert sie komplett aus, EBIT berücksichtigt sie als tatsächlichen Aufwand, der die operative Ertragskraft mindert.
Warum manche Analysten EBIT bevorzugen
Kritiker des EBITDA argumentieren, dass Abschreibungen bei kapitalintensiven Unternehmen eine reale wirtschaftliche Kostenkomponente darstellen: Maschinen, Fabriken und Anlagen nutzen sich tatsächlich ab und müssen irgendwann durch neue Investitionen ersetzt werden, ein Aufwand, den EBITDA systematisch unterschätzt.
Warren Buffett äußerte sich wiederholt kritisch gegenüber EBITDA als Bewertungsgrundlage, mit dem Argument, dass Abschreibungen keine "Fantasiekosten" seien, sondern eine der realsten Kostenpositionen überhaupt, gerade in Branchen mit hohem Kapitalbedarf.
EV/EBIT liefert entsprechend ein konservativeres, manche sagen realistischeres Bild der tatsächlichen operativen Ertragskraft, besonders relevant bei Unternehmen, die regelmäßig erhebliche Ersatzinvestitionen tätigen müssen, um ihr bestehendes Geschäft überhaupt aufrechtzuerhalten.
Wann EV/EBIT den Unterschied macht
Bei margenstarken, kapitalleichten Unternehmen wie Software mit minimalen Abschreibungen liegen EV/EBITDA und EV/EBIT oft nah beieinander, der praktische Unterschied ist gering, da wenig abzuschreibende Substanz vorhanden ist.
Bei kapitalintensiven Industrieunternehmen, Fluggesellschaften, Telekommunikationsanbietern oder Öl- und Gasfirmen mit erheblichen Sachanlagen und entsprechend hohen Abschreibungen kann die Differenz zwischen beiden Kennzahlen dagegen beträchtlich sein, EV/EBIT fällt hier oft deutlich höher aus als EV/EBITDA.
Für einen vollständigen Vergleich lohnt sich, beide Kennzahlen parallel zu betrachten: Eine große Lücke zwischen EV/EBITDA und EV/EBIT signalisiert einen hohen Abschreibungsanteil und damit potenziell erheblichen künftigen Reinvestitionsbedarf, der bei der reinen EBITDA-Betrachtung leicht übersehen wird.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen EV/EBIT und EV/EBITDA?
EBITDA klammert Abschreibungen komplett aus, EBIT berücksichtigt sie als tatsächlichen operativen Aufwand. Bei kapitalintensiven Unternehmen mit hohen Abschreibungen fällt EV/EBIT deshalb oft deutlich höher aus als EV/EBITDA für dasselbe Unternehmen.
Warum bevorzugen manche Analysten EBIT gegenüber EBITDA?
Weil Abschreibungen bei kapitalintensiven Unternehmen eine reale wirtschaftliche Kostenkomponente darstellen, Anlagen nutzen sich ab und müssen ersetzt werden. Kritiker wie Warren Buffett argumentieren, EBITDA unterschätze diesen realen künftigen Reinvestitionsbedarf systematisch.
Wann macht der Unterschied zwischen EV/EBIT und EV/EBITDA am meisten aus?
Bei kapitalintensiven Branchen wie Industrie, Fluggesellschaften oder Öl und Gas mit hohen Sachanlagen und entsprechend hohen Abschreibungen. Bei margenstarken, kapitalleichten Unternehmen wie Software liegen beide Kennzahlen dagegen meist nah beieinander.