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Gaps im Chart: Kurslücken verstehen und handeln

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Ein Gap entsteht, wenn eine Aktie deutlich über oder unter ihrem vorherigen Schlusskurs eröffnet, ohne dass dazwischen gehandelt wurde, meist ausgelöst durch Nachrichten außerhalb der regulären Handelszeiten. Im Chart erscheint das als sichtbare Lücke zwischen zwei Kerzen.

Dieser Artikel erklärt die vier klassischen Gap-Typen, was jeder davon über die Marktlage aussagt, den viel zitierten Mythos vom "Gap muss sich schließen" und wie du Gaps sinnvoll in deine Analyse einbeziehst.

Common Gap: Die unspektakuläre Lücke

Der Common Gap, zu Deutsch gewöhnliche Kurslücke, entsteht meist in ruhigen, wenig beachteten Aktien ohne besonderen Nachrichtenanlass, oft nur durch geringe Liquidität vor Handelsbeginn. Er trägt keine besondere Vorhersagekraft und wird häufig innerhalb weniger Tage wieder geschlossen.

Solche Gaps entstehen typischerweise innerhalb einer bestehenden Trading Range oder eines unauffälligen Seitwärtsbereichs, sie markieren weder den Beginn noch das Ende einer bedeutenden Bewegung, sondern sind meist reines technisches Rauschen ohne fundamentale Erklärung.

Für die praktische Analyse ist der Common Gap der am wenigsten interessante der vier Typen, er verdient in der Regel keine besondere Aufmerksamkeit oder Handelsentscheidung, anders als die folgenden drei Varianten.

Breakaway Gap: Der Ausbruch mit Schwung

Der Breakaway Gap entsteht am Ende einer Konsolidierungsphase oder Trading Range, wenn der Kurs mit einer deutlichen Lücke aus der bisherigen Struktur ausbricht, oft ausgelöst durch überraschende Nachrichten wie Quartalszahlen oder Analystenupgrades. Er markiert häufig den Beginn eines neuen, bedeutenden Trends.

Charakteristisch für einen echten Breakaway Gap ist begleitendes, deutlich erhöhtes Handelsvolumen, ein Zeichen, dass viel frisches Kapital in die neue Richtung fließt, nicht nur ein vereinzelter, wenig überzeugender Ausschlag.

Anders als beim Common Gap gilt beim Breakaway Gap die Faustregel vom Schließen des Gaps meist nicht: Ein echter Ausbruch-Gap bleibt oft über längere Zeit offen, weil er einen fundamentalen Wandel in der Bewertung der Aktie widerspiegelt, keine bloße technische Übertreibung.

Runaway Gap und Exhaustion Gap

Der Runaway Gap, auch Measuring Gap genannt, entsteht mitten in einem bereits laufenden, starken Trend und signalisiert dessen Fortsetzung mit unverändertem oder sogar zunehmendem Schwung. Er dient manchen Tradern als grobe Orientierung für ein weiteres Kursziel, indem die Distanz vom Trendbeginn bis zum Gap noch einmal vom Gap aus projiziert wird.

Der Exhaustion Gap dagegen erscheint gegen Ende eines langen, bereits weit gelaufenen Trends und markiert häufig die letzte, euphorische Übertreibung vor einer Trendwende. Er sieht auf den ersten Blick einem Runaway Gap sehr ähnlich, entsteht aber in einer reifen statt einer frühen Trendphase.

Der entscheidende Unterschied zwischen beiden zeigt sich meist erst im Nachhinein: Folgt dem Gap eine weitere kräftige Bewegung in Trendrichtung, war es ein Runaway Gap. Kehrt der Kurs kurz danach scharf um, deutet das auf einen Exhaustion Gap und eine mögliche Trendwende hin.

Der Mythos vom Gap-Schluss

Ein weitverbreiteter Glaubenssatz behauptet, jedes Gap müsse sich zwangsläufig wieder schließen. Das stimmt so pauschal nicht: Common Gaps schließen sich tatsächlich häufig, Breakaway Gaps dagegen oft über Monate oder Jahre nicht, gerade weil sie einen echten fundamentalen Wandel widerspiegeln.

Statt blind auf ein Schließen zu spekulieren, lohnt sich die Einordnung des Gap-Typs im jeweiligen Kontext: Ein Gap am Ende einer Range mit hohem Volumen und fundamentalem Auslöser verdient andere Erwartungen als ein Gap in ruhiger, unauffälliger Marktphase.

Für die praktische Analyse gilt: Behandle das Gap-Niveau selbst als potenzielle Unterstützungs- oder Widerstandszone, ähnlich wie andere markante Preisniveaus. Ein nicht geschlossenes Gap unterhalb des aktuellen Kurses fungiert oft als zusätzliche Unterstützung bei künftigen Rücksetzern.

Häufige Fragen

Was ist ein Breakaway Gap?

Ein Breakaway Gap entsteht am Ende einer Konsolidierungsphase, wenn der Kurs mit deutlicher Lücke aus der bisherigen Struktur ausbricht, meist begleitet von hohem Volumen. Er markiert häufig den Beginn eines neuen, bedeutenden Trends und schließt sich anders als kleinere Gaps oft über lange Zeit nicht.

Müssen sich alle Kurslücken irgendwann schließen?

Nein, das ist ein verbreiteter Mythos. Common Gaps in ruhigen Marktphasen schließen sich häufig innerhalb weniger Tage, Breakaway Gaps mit starkem fundamentalem Auslöser dagegen oft über Monate oder Jahre nicht, weil sie einen echten Wandel in der Bewertung widerspiegeln.

Wie unterscheidet man Runaway Gap und Exhaustion Gap?

Beide sehen im Chart oft ähnlich aus. Der Runaway Gap entsteht früh bis mittig in einem Trend und signalisiert dessen Fortsetzung. Der Exhaustion Gap erscheint erst gegen Ende eines bereits weit gelaufenen Trends und markiert häufig eine letzte Übertreibung vor der Trendwende, klar wird das meist erst im Nachhinein.

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