RSI erklärt: Wie man den Relative Strength Index wirklich benutzt
Der RSI ist der meistgenutzte Momentum-Indikator und zugleich der am häufigsten missverstandene. Die simple Regel „unter 30 kaufen, über 70 verkaufen" kostet in Trendmärkten zuverlässig Geld. So benutzt man ihn richtig.
Was der RSI misst und der große Kontext-Fehler
Der RSI (Standard: 14 Perioden) vergleicht die Stärke der Aufwärts- mit der der Abwärtsbewegungen und skaliert das auf 0 bis 100. Werte über 70 gelten als überkauft, unter 30 als überverkauft. So weit die Lehrbuch-Version.
Der Kontext-Fehler: In einem starken Aufwärtstrend ist ein RSI über 70 kein Verkaufssignal, sondern Ausdruck der Trendstärke; er kann dort wochenlang bleiben, während der Kurs weiter steigt. Die Überkauft/Überverkauft-Logik funktioniert primär in Seitwärtsmärkten. Im Trend nutzt man den RSI anders: Rücksetzer in die 40er-Zone innerhalb eines Aufwärtstrends markieren oft exzellente Einstiege.
Divergenzen: das stärkste RSI-Signal
Eine bärische Divergenz entsteht, wenn der Kurs ein neues Hoch macht, der RSI aber ein tieferes Hoch: Das Momentum trägt die Bewegung nicht mehr. Bullisch spiegelbildlich am Tief. Divergenzen sind Frühwarnungen, keine Auslöser: Gehandelt wird erst, wenn der Kurs die Wende bestätigt, etwa durch den Bruch einer Struktur.
Praktisch heißt das: RSI nie isoliert. Er ist ein Baustein neben Trendstruktur, Zonen und Formationen. In den VAIQ-Analysen fließt der RSI genau so ein: als Stimmungsmaß, das die Gewichtung einer Analyse verschiebt, nicht als Alleinentscheider. Auf jeder Aktienseite von VAIQ findest du den aktuellen RSI neben fünf weiteren Momentum-Indikatoren als Gauge.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein RSI unter 30?
Formal überverkauft: Die Abwärtsbewegungen dominierten zuletzt stark. Als Kaufsignal taugt das nur im Seitwärtsmarkt oder an einer bestätigten Unterstützung; in einem intakten Abwärtstrend kann der RSI lange unter 30 bleiben, während der Kurs weiter fällt.
Welche RSI-Einstellung ist die beste?
Der Standard von 14 Perioden ist für die meisten Zwecke richtig, weil ihn der Großteil des Markts benutzt. Kürzere Perioden (z. B. 7) machen den RSI schneller, aber deutlich fehleranfälliger; wichtiger als die Einstellung ist die richtige Interpretation im Trendkontext.
Was ist eine RSI-Divergenz?
Ein Auseinanderlaufen von Kurs und Momentum: neues Kurshoch bei tieferem RSI-Hoch (bärisch) oder neues Kurstief bei höherem RSI-Tief (bullisch). Divergenzen kündigen mögliche Wenden an, gehandelt werden sie erst mit Bestätigung durch die Kursstruktur.