SpaceX greift nach dem US-Mobilfunknetz: Warum die Telekom-Aktie sieben Prozent verliert

SpaceX hat sich ein landesweites Portfolio an Niederfrequenz-Spektrum gesichert, um Mobilfunk direkt aus dem All anzubieten. Die Nachricht ließ T-Mobile US, Verizon und AT&T nachbörslich einbrechen und riss die Deutsche-Telekom-Aktie trotz eines freundlichen DAX mit nach unten.
- SpaceX sichert sich laut Medienberichten ein landesweites Portfolio an Niederfrequenz-Spektrum für satellitengestützten Mobilfunk direkt aufs Handy
- T-Mobile US, Verizon und AT&T verlieren nachbörslich zeitweise fast sieben Prozent
- Deutsche-Telekom-Aktie bricht wegen ihrer Mehrheitsbeteiligung an T-Mobile US um mehr als sieben Prozent ein
- DAX notiert trotz des Telekom-Einbruchs insgesamt im Plus
- Satellitenkonkurrent AST SpaceMobile verliert ebenfalls rund sechs Prozent, da Anleger das gesamte Wettbewerbsfeld neu bewerten
Ausgerechnet am Tag, an dem der DAX ins Plus dreht, wird die Deutsche Telekom zum größten Verlierer des Leitindex. Grund ist kein deutsches Thema, sondern eine Nachricht aus den USA: SpaceX hat sich am Donnerstagabend laut übereinstimmenden US-Medienberichten ein landesweites Portfolio an Niederfrequenz-Spektrum gesichert, mit dem Elon Musks Raumfahrtunternehmen künftig Mobilfunk direkt aus dem All anbieten will, ganz ohne klassische Funkmasten. Die Reaktion an der Wall Street fiel heftig aus: T-Mobile US, Verizon und AT&T verloren nachbörslich zeitweise fast sieben Prozent, und der Schock schwappte am Freitag direkt nach Frankfurt über.
Für die Deutsche Telekom ist das kein Randthema. Der Bonner Konzern hält eine Mehrheitsbeteiligung an T-Mobile US, dem profitabelsten Baustein im Konzernportfolio. Fällt die US-Tochter nachbörslich um sieben Prozent, kann die Mutter das nicht wegstecken, auch wenn der Gesamtmarkt in Deutschland freundlich tendiert.
Warum trifft es Telekom härter als den DAX-Durchschnitt?
Die Antwort liegt in der Konzernstruktur. Während andere DAX-Schwergewichte an diesem Tag von sinkenden Zinsen und einer insgesamt stabilen US-Stimmung profitieren, hängt ein Großteil des Telekom-Konzernwerts direkt am Schicksal von T-Mobile US. Satellitengestützter Mobilfunk direkt aufs Endgerät würde das klassische Geschäftsmodell der Netzbetreiber in den USA grundlegend infrage stellen, denn SpaceX bräuchte für ein solches Angebot keine teuren Mastennetze mehr. Genau diese Drohkulisse treibt die Kursreaktion.
Wird SpaceX zum Direktkonkurrenten der gesamten Mobilfunkbranche?
Dass die Verunsicherung nicht auf klassische Netzbetreiber beschränkt bleibt, zeigt der Kurseinbruch bei AST SpaceMobile. Das Unternehmen hatte sich selbst als Anbieter für Satelliten-Mobilfunk direkt aufs Handy positioniert, verlor aber rund sechs Prozent, weil Anleger nun befürchten, dass SpaceX mit seiner Spektrum-Akquisition das gesamte Wettbewerbsfeld neu sortiert. Wie genau SpaceX sein Spektrum kommerziell nutzen will und wann ein marktreifes Angebot steht, ist offen. Analysten erwarten, dass jede weitere Konkretisierung der Pläne die Kurse von Telekom, T-Mobile US und der Satellitenkonkurrenz in den kommenden Wochen spürbar bewegen könnte.
VAIQ beobachtet die Entwicklung rund um Telekom und T-Mobile US in den kommenden Handelstagen weiter.