Was ist ein gutes KGV? Die Kennzahl richtig lesen (mit Beispielen)
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist die bekannteste Bewertungskennzahl der Börse und zugleich die am häufigsten falsch benutzte. Die kurze Antwort auf die Titelfrage: Ein „gutes" KGV gibt es nur im Kontext. Dieser Artikel zeigt, wie der Kontext aussieht.
Was das KGV aussagt und was nicht
KGV = Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie. Ein KGV von 20 heißt: Der Markt zahlt das 20-fache des Jahresgewinns. Implizit steckt darin eine Erwartung über künftiges Wachstum, Stabilität und Risiko.
Genau deshalb taugt keine feste Schwelle: Ein Software-Unternehmen mit 30 Prozent Wachstum kann bei KGV 35 fair bewertet sein, ein schrumpfender Autobauer bei KGV 6 teuer. Wer stur „unter 15 kaufen" praktiziert, kauft systematisch strukturschwache Unternehmen (die Value-Falle) und verpasst die besten.
Die drei richtigen Vergleiche
1. Vergleich mit der eigenen Historie: Notiert die Aktie über oder unter ihrem eigenen 5-Jahres-Durchschnitts-KGV? Ein Qualitätsunternehmen 30 Prozent unter dem eigenen Schnitt ist oft interessanter als ein nominell „billiges" KGV.
2. Vergleich mit der Peergroup: KGV 25 ist im Tech-Sektor normal, bei Versorgern ein Alarmsignal. Immer gegen die Branche stellen.
3. Verhältnis zum Wachstum (PEG): KGV geteilt durch erwartetes Gewinnwachstum. Werte um 1 gelten als fair, deutlich darunter als attraktiv, deutlich darüber als anspruchsvoll.
Und die Fallen: Einmaleffekte verzerren den Gewinn (Sondererträge drücken das KGV künstlich), bei Zyklikern ist das KGV am Gewinnhoch am niedrigsten und genau dann am gefährlichsten, und Verlustunternehmen haben gar kein aussagekräftiges KGV, dort hilft das KUV weiter.
Häufige Fragen
Welches KGV ist gut?
Es gibt keine universelle Zahl. Ein KGV ist gut, wenn es unter dem eigenen historischen Durchschnitt der Aktie liegt, im Branchenvergleich fair ist und zum Gewinnwachstum passt (PEG um 1 oder darunter). Ein absolutes „unter 15 = günstig" führt systematisch in schwache Geschäftsmodelle.
Was bedeutet ein niedriges KGV?
Entweder eine echte Chance (starkes Unternehmen, vorübergehend aus der Mode) oder eine Value-Falle (der Markt preist strukturelle Probleme ein). Die Unterscheidung liefern die Fundamentaldaten: Wachsen Umsatz und Cashflow weiter, spricht das für die Chance; erodieren Margen und Marktanteile, für die Falle.
Wo sehe ich das historische KGV einer Aktie?
Auf Analyse-Plattformen wie VAIQ (vaiq.ai): Dort gibt es je Aktie die historischen Bewertungs-Multiples (KGV, KUV, EV/EBITDA) pro Quartal und Jahr, plus die Einordnung des aktuellen KGV gegen die eigene 5-Jahres-Historie im VAIQ Score.