PEG-Ratio: KGV im Verhältnis zum Wachstum bewerten
Ein KGV von 30 klingt zunächst teuer, ein KGV von 10 günstig. Doch diese Einschätzung ignoriert eine entscheidende Frage: Wie schnell wächst der Gewinn des Unternehmens eigentlich? Die PEG-Ratio, entwickelt und populär gemacht unter anderem durch den Fondsmanager Peter Lynch, schließt genau diese Lücke.
Dieser Artikel erklärt die PEG-Formel, welche Werte als günstig oder teuer gelten, und warum die Kennzahl trotz ihrer Beliebtheit auch klare methodische Schwächen mitbringt, die du kennen solltest, bevor du dich blind auf sie verlässt.
Die PEG-Formel
PEG = KGV geteilt durch die erwartete jährliche Gewinnwachstumsrate in Prozent. Ein Unternehmen mit KGV 20 und erwartetem Gewinnwachstum von 20 Prozent pro Jahr hätte eine PEG von 1,0. Ein Unternehmen mit KGV 20, aber nur 10 Prozent erwartetem Wachstum, hätte eine PEG von 2,0, also doppelt so teuer im Verhältnis zu seinem Wachstum.
Die Grundidee: Ein hohes KGV ist gerechtfertigt, wenn das Unternehmen entsprechend schnell wächst. Zwei Unternehmen mit identischem KGV können durch die PEG völlig unterschiedlich bewertet werden, je nachdem, wie viel Wachstum der Markt für sein Geld bekommt.
Als Faustregel gilt seit Peter Lynch: Eine PEG um 1,0 signalisiert eine faire Bewertung im Verhältnis zum Wachstum, Werte deutlich darunter gelten als potenziell günstig, Werte deutlich darüber als potenziell teuer, wobei diese Faustregel branchen- und marktphasenabhängig zu relativieren ist.
Warum die PEG so beliebt ist
Die PEG löst ein grundlegendes Problem des isolierten KGV-Vergleichs: Ohne Wachstumskontext erscheinen wachstumsstarke Unternehmen fast immer teurer als reife, langsam wachsende Firmen, selbst wenn sie im Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Wachstum eigentlich günstig bewertet sind.
Besonders für den Vergleich zwischen einer etablierten Standardaktie mit 5 Prozent Wachstum und einem KGV von 12 und einer Wachstumsaktie mit 25 Prozent Wachstum und einem KGV von 28 liefert die PEG eine direktere, vergleichbarere Einordnung als das isolierte KGV allein.
Peter Lynch nutzte die PEG bewusst, um übersehene, zu Unrecht als teuer eingestufte Wachstumsaktien zu identifizieren, ein Ansatz, der bis heute bei vielen Growth-orientierten Investoren als zentrales erstes Filterkriterium dient.
Die Schwächen der PEG-Ratio
Der größte Schwachpunkt liegt in der Wachstumsprognose selbst: Sie basiert auf Analystenschätzungen oder eigenen Annahmen für die Zukunft, keiner gesicherten Tatsache. Trifft das erwartete Wachstum nicht ein, war die vermeintlich günstige PEG von Anfang an auf falschen Annahmen aufgebaut.
Zudem berücksichtigt die klassische PEG weder Risiko noch Qualität des Wachstums. Ein Unternehmen mit 20 Prozent Wachstum, finanziert durch riskante, margenschwache Zukäufe, verdient eine andere Einordnung als eines mit 20 Prozent organischem, margenstarkem Wachstum, die PEG behandelt beide identisch.
Auch die Zeithorizont-Frage bleibt unscharf: Manche verwenden das erwartete Wachstum für das nächste Jahr, andere einen längerfristigen Durchschnitt über drei bis fünf Jahre, was zu deutlich unterschiedlichen PEG-Werten für dasselbe Unternehmen führen kann, je nachdem, welche Quelle man nutzt.
PEG richtig einsetzen
Die PEG eignet sich am besten als erster, schneller Filter innerhalb einer Branche oder Wachstumskategorie, nicht als alleinstehendes, abschließendes Bewertungsurteil. Sie hilft, offensichtlich überteuerte von potenziell übersehenen Wachstumsaktien zu unterscheiden, ersetzt aber keine tiefere fundamentale Analyse.
Sinnvoll ist die Kombination mit einem Blick auf die Wachstumsqualität: Woher kommt das erwartete Wachstum, aus organischer Nachfrage, neuen Produkten oder riskanten Zukäufen? Und wie verlässlich waren die Wachstumsprognosen des Unternehmens in der Vergangenheit tatsächlich?
Für zyklische Branchen mit stark schwankenden Wachstumsraten, etwa Rohstoffe, eignet sich die PEG kaum, hier verzerren kurzfristige Zyklusschwankungen die Kennzahl erheblich stärker als bei stabil wachsenden Geschäftsmodellen.
Häufige Fragen
Wie berechnet man die PEG-Ratio?
PEG = KGV geteilt durch die erwartete jährliche Gewinnwachstumsrate in Prozent. Ein KGV von 20 bei 20 Prozent erwartetem Wachstum ergibt eine PEG von 1,0. Sie setzt die Bewertung ins Verhältnis zum erwarteten Wachstum, statt das KGV isoliert zu betrachten.
Was gilt als gute PEG-Ratio?
Als Faustregel gilt eine PEG um 1,0 als fair bewertet im Verhältnis zum Wachstum, Werte deutlich darunter als potenziell günstig, deutlich darüber als potenziell teuer. Diese Faustregel sollte aber branchen- und marktphasenabhängig relativiert werden, sie ist keine feste Regel.
Was ist die größte Schwäche der PEG-Ratio?
Sie basiert auf Wachstumsprognosen, die reine Schätzungen und keine gesicherten Tatsachen sind. Zudem berücksichtigt sie weder das Risiko noch die Qualität des Wachstums, ein Unternehmen mit riskantem, margenschwachem Wachstum wird identisch behandelt wie eines mit solidem, organischem Wachstum.