Luke MichelsAnthropics Umsatzexplosion: Wie ein KI-Anbieter die Speicherchip-Aktien beflügelt

Anthropic hat im zweiten Quartal einen Umsatzsprung um mehr als das 14-Fache verzeichnet und erstmals operative Gewinne eingefahren. Am selben Handelstag legten ausgerechnet Speicherchip-Werte wie Micron und Marvell kräftig zu, während Softwareanbieter wie ServiceNow und MongoDB deutlich nachgaben.
- Anthropic meldet vorläufigen Q2-Umsatz von über 11,5 Milliarden Dollar, 14-fach höher als im Vorjahr
- Erstmals erzielt der KI-Anbieter ein positives operatives Ergebnis
- Micron legt um 4,1 Prozent zu, Applied Materials und Marvell steigen jeweils 5,5 Prozent
- ServiceNow fällt 5,1 Prozent, MongoDB 4,7 Prozent, obwohl beide Softwarefirmen im KI-Geschäft aktiv sind
- Die Zahlen deuten auf anhaltend hohe Nachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur hin
Ein KI-Unternehmen meldet einen Umsatzsprung, der selbst für die Branche außergewöhnlich ist, und ausgerechnet Speicherchip-Hersteller profitieren davon an der Börse, während Softwarefirmen mit eigenen KI-Angeboten zurückbleiben. Genau das war am Montag zu beobachten, nachdem Anthropic vorläufige Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht hatte.
Der Umsatz des Unternehmens kletterte im Jahresvergleich um mindestens das 14-Fache auf mehr als 11,5 Milliarden Dollar. Zum ersten Mal wies Anthropic dabei ein positives operatives Ergebnis aus, ein Meilenstein für einen Anbieter, der noch vor kurzem primär für seine Verluste bei aggressivem Wachstum bekannt war.
Warum profitieren ausgerechnet Speicherchip-Hersteller?
Am gleichen Handelstag rückten jene Aktien in den Fokus, die die physische Infrastruktur für dieses Wachstum liefern. Micron, Applied Materials und Marvell legten teils um mehr als 5 Prozent zu. Alle drei Unternehmen stellen Komponenten oder Fertigungsanlagen für Speicherchips und Rechenzentrums-Hardware her, die für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle unverzichtbar sind.
Die Anthropic-Zahlen liefern damit einen konkreten Beleg dafür, dass die Nachfrage nach Rechenleistung nicht nachlässt, sondern sich sogar noch beschleunigt. Für Zulieferer, deren Geschäft direkt an den Ausbau von KI-Kapazitäten gekoppelt ist, ist das ein Signal, dass die Investitionswelle der Cloud- und KI-Anbieter anhält.
Warum blieben Softwarewerte zurück?
Gleichzeitig gehörten ServiceNow und MongoDB zu den schwächsten Werten des Tages und verloren jeweils rund 5 Prozent. Der Kontrast zeigt, dass der Markt derzeit klar zwischen Infrastruktur-Profiteuren und Anwendungsanbietern unterscheidet: Wer die Hardware für KI liefert, wird belohnt, wer KI-Funktionen in bestehende Softwareprodukte integrieren muss, steht stärker unter Bewertungsdruck.
Für die kommenden Quartale dürfte diese Trennlinie relevant bleiben. Sollte sich das Wachstumstempo von Anbietern wie Anthropic fortsetzen, würde das die These stützen, dass der eigentliche Engpass der KI-Branche weiterhin bei Chips und Rechenzentrumskapazität liegt und nicht bei der Nachfrage nach KI-Diensten selbst. Auf VAIQ lassen sich die Kursreaktionen der genannten Halbleiterwerte im Detail nachvollziehen.