Luke MichelsAWS wächst so schnell wie seit 18 Quartalen nicht: Amazon-Aktie springt vorbörslich um 13 Prozent

Amazon galt zuletzt als Cloud-Nachzügler hinter Microsoft und Google. Die jüngsten Quartalszahlen drehen dieses Bild abrupt: AWS wächst so schnell wie seit vier Jahren nicht mehr, und Amazon erhöht seine Investitionen massiv.
- AWS wuchs im jüngsten Quartal um 36,7 Prozent, das schnellste Tempo seit 18 Quartalen
- CEO Andy Jassy bezeichnete das Cloud-Geschäft als 'booming'
- KI- und Chipsparten überschritten jeweils eine Run-Rate von mehr als 25 Milliarden Dollar
- Amazon hob die Capex-Prognose für 2026 auf 220 Milliarden Dollar an
- Die Aktie stieg im vorbörslichen Handel am Freitag um 13 Prozent
Amazon galt in den vergangenen Quartalen als der Nachzügler unter den großen Cloud-Anbietern. Während Microsoft mit Azure Schlagzeilen machte und Google seine KI-Infrastruktur ausbaute, wirkte AWS behäbig, gebremst von Kapazitätsengpässen und einem Wachstumstempo, das hinter der Konkurrenz zurückblieb. Diese Erzählung ist seit Freitag Geschichte.
Nach Vorlage der Quartalszahlen sprang die Amazon-Aktie im vorbörslichen Handel um 13 Prozent. Auslöser war eine Wachstumszahl, mit der kaum jemand gerechnet hatte: AWS legte um 36,7 Prozent zu, das schnellste Tempo seit 18 Quartalen.
Wie wurde aus der Cloud-Bremse plötzlich ein Beschleuniger?
CEO Andy Jassy fand für die Entwicklung deutliche Worte und bezeichnete das Cloud-Geschäft schlicht als 'booming'. Hinter der Formulierung steckt mehr als Marketing: Die KI- und Chipsparten von AWS überschritten im Quartal jeweils eine Run-Rate von mehr als 25 Milliarden Dollar. Unternehmen, die eigene KI-Modelle trainieren oder betreiben wollen, greifen zunehmend auf Amazons Recheninfrastruktur zurück, nachdem die früheren Kapazitätsengpässe offenbar abgebaut wurden.
Das deutet darauf hin, dass Amazon im Wettlauf um KI-Workloads nicht abgehängt ist, sondern aufholt. Der Nachholeffekt könnte erklären, warum die Wachstumsrate so deutlich über den Erwartungen von Analysten lag.
Warum erhöht Amazon die Investitionen auf 220 Milliarden Dollar?
Parallel zu den starken Zahlen hob Amazon die Capex-Prognose für 2026 auf 220 Milliarden Dollar an, deutlich mehr als bislang geplant. Diese Summe fließt größtenteils in neue Rechenzentren und Chip-Kapazitäten, um die aktuell hohe Nachfrage nicht erneut auszubremsen wie in den vergangenen Quartalen.
Für die kommenden Quartale bedeutet das zweierlei: Zum einen dürfte der Wettbewerbsdruck auf Microsoft und Google im Cloud-Geschäft weiter steigen, zum anderen wird der Markt genau beobachten, ob sich die hohen Investitionen tatsächlich in anhaltendem Wachstum niederschlagen. Die Reaktion vom Freitag zeigt, dass Anleger dem Management diesen Vorschuss aktuell gewähren.
Wer die Entwicklung von AWS und den Kapitalausgaben der Hyperscaler weiterverfolgen möchte, findet dazu ergänzende Einordnungen auf VAIQ.