Luke MichelsCleveland-Fed-Chefin Hammack schließt sich den Falken an: Zinserhöhungswahrscheinlichkeit springt auf 55 Prozent

Mit einer klaren Aussage zur anhaltenden Inflation hat sich Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack einem wachsenden Kreis hawkischer Notenbanker angeschlossen. Die Märkte reagierten sofort: Die Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September kletterte auf 55 Prozent.
- Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack spricht sich für weitere Zinserhöhungen aus
- Marktimplizite Wahrscheinlichkeit für Septemberanhebung steigt von 51 auf 55 Prozent
- Wahrscheinlichkeit für Dezembererhöhung springt von 73 auf 80 Prozent
- US-Anleiherenditen ziehen deutlich an
- Hammack reiht sich in wachsenden Kreis hawkischer Notenbanker gegen anhaltende Inflation ein
Ein einzelner Satz einer Notenbankpräsidentin reicht mitunter aus, um die Zinserwartungen an den Terminmärkten neu zu justieren. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack äußerte sich am Montag in einer öffentlichen Stellungnahme und schloss sich damit einem wachsenden Kreis von Notenbankern an, die angesichts der anhaltend hohen Inflation weitere Zinserhöhungen für notwendig halten. Die Reaktion der Märkte folgte umgehend.
Marktreaktion: Wahrscheinlichkeiten und Renditen ziehen an
Die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im September kletterte von 51 Prozent am Vortag auf 55 Prozent. Noch deutlicher fiel die Bewegung bei den längerfristigen Erwartungen aus: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember stieg von 73 Prozent vor einer Woche auf inzwischen 80 Prozent. Parallel dazu zogen die US-Anleiherenditen kräftig an.
Wie viel Gewicht trägt eine einzelne Fed-Stimme?
Hammacks Positionierung ist deshalb bemerkenswert, weil sie nicht isoliert steht, sondern Teil einer sich verdichtenden Reihe hawkischer, also auf straffere Geldpolitik ausgerichteter, Stimmen innerhalb des Offenmarktausschusses ist, dem Gremium der US-Notenbank, das über die Leitzinsen entscheidet. Wenn mehrere regionale Notenbankpräsidenten in kurzer Folge ähnliche Töne anschlagen, verschiebt das die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer stärker, als es eine einzelne Aussage vermag, weil daraus auf eine mögliche Mehrheitsmeinung im Ausschuss geschlossen wird.
Für die Märkte bedeutet ein länger andauerndes Zinshoch, im Fachjargon auch higher-for-longer genannt, zunächst höhere Finanzierungskosten und einen belasteten Bewertungsspielraum für zinssensible Anlageklassen, von langlaufenden Anleihen bis zu wachstumsstarken Technologiewerten. Ob sich die Fed im September tatsächlich zu einem weiteren Zinsschritt durchringt, bleibt trotz der gestiegenen Wahrscheinlichkeit offen, doch die Richtung der Kommunikation aus den eigenen Reihen der Notenbank ist damit klarer geworden als noch vor wenigen Tagen.