Luke MichelsGold fällt unter 4.000 Dollar: Warum Irans Öl-Drohung den sicheren Hafen nicht mehr trägt

Während sich die Spannungen im Nahen Osten weiter zuspitzen, fällt der Goldpreis ausgerechnet jetzt unter die Marke von 4.000 Dollar pro Unze. Der Grund liegt nicht in nachlassender Angst, sondern in steigenden Anleiherenditen und einem neuen falkenhaften Signal der US-Notenbank.
- Goldpreis fällt um mehr als 1,5 Prozent unter 4.000 Dollar je Unze
- Iran weist laut Berichten Huthi-Rebellen an, Ölblockade im Roten Meer vorzubereiten
- Ölpreise und US-Anleiherenditen steigen gleichzeitig zum Goldpreis
- Fed-Gouverneur Waller sendet falkenhaftes Signal gegen frühe Zinssenkungen
- Klassische Krisenwährung Gold verliert trotz Eskalation im Nahen Osten
Normalerweise ist Gold der erste Ort, an den Kapital flüchtet, wenn im Nahen Osten die Kriegsgefahr steigt. Am Freitag geschah das Gegenteil: Der Goldpreis fiel um mehr als 1,5 Prozent und rutschte unter die Marke von 4.000 US-Dollar pro Unze, ausgerechnet in dem Moment, in dem sich die Lage am Roten Meer weiter verschärft.
Der Auslöser für die neue Eskalation ist konkret: Der Iran soll laut Berichten die Huthi-Rebellen im Jemen angewiesen haben, sich darauf vorzubereiten, die Öllieferungen durch das Rote Meer zu unterbrechen, sollte die USA die iranische Energieinfrastruktur angreifen. Eine Drohung, die unter normalen Umständen Kapital in sichere Häfen treiben würde.
Warum flieht das Kapital trotz Kriegsangst nicht in Gold?
Die Antwort liegt in den Anleihemärkten. Laut Analysten zogen die Ölpreise und die US-Anleiherenditen zuletzt gleichzeitig an, was die Sorgen um Inflation und anhaltend hohe US-Zinsen verstärkte. Verschärft wird das Bild durch Fed-Gouverneur Christopher Waller, dessen jüngste Äußerungen ein klar falkenhaftes Signal sendeten: Die Fed schließe eine kurzfristige Straffung der Geldpolitik nicht aus, sollte die Kerninflation erhöht bleiben. Steigende Realzinsen machen zinslos gehaltenes Gold im Vergleich zu Anleihen unattraktiver, selbst wenn die geopolitische Lage brenzlig bleibt.
Was steht im Roten Meer konkret auf dem Spiel?
Das Rote Meer und die Straße von Bab al-Mandab sind eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Eine tatsächliche Blockade durch die Huthis würde die Ölpreise weiter nach oben treiben und damit die Inflationssorgen zusätzlich befeuern, die derzeit ohnehin gegen fallende Zinsen und damit indirekt gegen Gold sprechen. Die Situation bleibt fragil: Sollte sich die militärische Lage weiter zuspitzen, könnte sich das Kalkül der Anleger schnell wieder umkehren. Wer die Entwicklung von Gold und Öl im Zusammenspiel verfolgen möchte, findet entsprechende Daten auf VAIQ.