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Edelmetalle·Luke Michels

Gold fällt unter 4.100 Dollar: Wie der Ölpreis-Schock die Zinsangst zurückbringt

Gold fällt unter 4.100 Dollar: Wie der Ölpreis-Schock die Zinsangst zurückbringt

Eigentlich gilt Gold als Krisenwährung, doch ausgerechnet inmitten der Nahost-Eskalation rutscht der Preis unter 4.100 Dollar je Feinunze. Der Grund liegt in den steigenden Ölpreisen, die neue Inflations- und Zinssorgen wecken.

Das Wichtigste in Kürze
  • Gold rutscht am Montag unter die Marke von 4.100 Dollar je Feinunze
  • Auslöser sind die durch die Iran-Eskalation getriebenen, um 4 Prozent gestiegenen Ölpreise
  • Steigende Anleiherenditen wegen Nahost-Konflikt belasten zinslos gehaltenes Gold zusätzlich
  • Fed-Zinsentscheid am 28. und 29. Juli sowie erste Kongress-Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh rücken in den Fokus
  • Paradox: Geopolitische Krise treibt normalerweise Gold, diesmal überwiegt die Zinsangst

Eigentlich müsste eine militärische Eskalation im Nahen Osten Gold in die Höhe treiben, schließlich gilt das Metall seit Jahrzehnten als klassischer Krisenhafen. Ausgerechnet am Montag, dem Tag nach dem vierten US-Angriff auf den Iran binnen einer Woche, rutschte der Goldpreis jedoch unter die Marke von 4.100 Dollar je Feinunze und blieb unter Druck. Der Grund liegt nicht in der Geopolitik selbst, sondern in ihrer Nebenwirkung: dem Ölpreis, der um rund 4 Prozent zulegte.

Weil die Ölpreise durch die Angriffe und die Unsicherheit über die Straße von Hormus deutlich anzogen, wuchsen zugleich die Sorgen vor neuer Inflation. Steigende Energiepreise gelten als einer der zuverlässigsten Frühindikatoren für anziehende Verbraucherpreise, und genau das lässt Anleger wieder stärker auf steigende Zinsen setzen. Für Gold, das keine laufenden Erträge abwirft, wird jede Zinserwartung nach oben zur Belastung.

Warum verliert Gold gerade jetzt seinen Nimbus als Krisenwährung?

Parallel zu den steigenden Ölpreisen zogen am Montag auch die Renditen von Staatsanleihen an, ein direkter Effekt der Nahost-Eskalation auf die Zinserwartungen. Höhere Anleiherenditen machen verzinste Anlagen relativ attraktiver gegenüber Gold, das seinen Wert allein über die Preisentwicklung erzielt. In der aktuellen Gemengelage überwiegt damit der Zinseffekt den klassischen Sicherheitsreflex, der Anleger sonst in Krisenzeiten in Gold treibt.

Im Blick der Marktteilnehmer steht nun der nächste Fed-Zinsentscheid am 28. und 29. Juli, bei dem laut CME FedWatch aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 77,7 Prozent für eine Zinspause eingepreist ist. Vor diesem Termin steht zudem die erste Anhörung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh vor dem US-Kongress an, die als richtungsweisend für die Zinserwartungen der kommenden Monate gilt. Derzeit bewegt sich der Goldpreis zwischen den beiden Kräften, geopolitischer Unsicherheit auf der einen und Zinsangst auf der anderen Seite, hin und her.

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