Luke MichelsKI-Ausverkauf trifft die Neoclouds: Warum SAP und ServiceNow der Korrektur entkommen

Am Freitag brach eine ganze Gruppe von KI-Infrastruktur-Werten wie Nebius, CoreWeave, Cipher Mining und Rocket Lab zweistellig ein, während SAP und ServiceNow kräftig zulegten. Der Tag markiert eine deutliche Kapitalrotation innerhalb des KI-Handels: weg von spekulativen Infrastruktur-Wetten, hin zu Unternehmen, die mit künstlicher Intelligenz bereits Geld verdienen.
- Nebius, CoreWeave, Cipher Mining, Applied Digital, Iris Energy, Rocket Lab und Oklo verlieren am 24. Juli zwischen 8 und 15 Prozent
- SAP legt um 9,3 Prozent zu, ServiceNow um 7,4 Prozent, beide profitieren von tatsächlich monetisierten KI-Umsätzen
- Auslöser ist die aktuelle Berichtssaison der Hyperscaler, die zeigt, dass milliardenschwere Rechenzentrums-Investitionen kurzfristig nicht in Gewinne münden
- Betroffen sind vor allem Firmen, die als reine Kapazitätsanbieter für KI-Rechenleistung gelten, von Krypto-Minern bis zu Kleinreaktor-Startups
- Die Bewegung zeigt eine klare Trennlinie zwischen spekulativen Infrastruktur-Wetten und profitablen KI-Anwendungen im Portfolio der Anleger
Am 24. Juli zerbrach der bislang recht einheitliche Höhenflug der KI-Werte in zwei völlig gegensätzliche Lager. Auf der einen Seite stürzten Nebius um 15 Prozent und CoreWeave um 11,4 Prozent ab, mit ähnlich hohen Verlusten von 8 bis 10 Prozent folgten Cipher Mining, Applied Digital, Iris Energy, Rocket Lab und der Kleinreaktor-Entwickler Oklo. Auf der anderen Seite sprang SAP um 9,3 Prozent nach oben, ServiceNow legte 7,4 Prozent zu. Ein und dieselbe Erzählung, künstliche Intelligenz, trieb an diesem Tag die einen Aktien in den Keller und die anderen auf neue Höhen.
Warum trifft es gerade die Neoclouds so hart?
Die Gemeinsamkeit der Verlierer ist auffällig: Nebius und CoreWeave sind reine Anbieter von KI-Rechenkapazität, die milliardenschwere Rechenzentren auf Kredit hochziehen. Cipher Mining, Applied Digital und Iris Energy haben ihr ursprüngliches Kryptomining-Geschäft in Richtung KI-Hosting umgebaut, Rocket Lab und Oklo stehen für die Energie- und Infrastrukturseite des KI-Booms. Genau diese Gruppe gerät unter Druck, sobald Anleger die Rentabilität der enormen Kapitalausgaben der großen Tech-Konzerne infrage stellen. Auslöser war die aktuelle Berichtssaison der Hyperscaler: In den vergangenen Tagen meldeten mehrere Cloud-Konzerne weiter steigende Investitionen in Rechenzentren, ohne dass sich diese Ausgaben bislang in entsprechenden KI-Umsätzen niederschlagen. Wer wie die Neoclouds direkt von diesen Ausgaben abhängt, aber selbst kaum eigene Erträge vorweisen kann, wird in einem solchen Moment zuerst abgestraft.
SAP und ServiceNow: die Gewinner der gleichen Geschichte
Während die Infrastrukturwetten fallen, profitieren jene Unternehmen, die künstliche Intelligenz bereits heute in zahlende Kundenverträge übersetzen. SAP und ServiceNow verkaufen Software, in die KI-Funktionen integriert sind, und verdienen daran unmittelbar, unabhängig davon, wie sich die Kapazitätsauslastung der Rechenzentren entwickelt. Für Anleger ist das an einem Tag wie diesem der entscheidende Unterschied: Sie trennen zunehmend zwischen Firmen, die auf den künftigen Erfolg des KI-Booms spekulieren, und solchen, die schon heute davon leben. Diese Trennlinie dürfte die kommenden Wochen der Berichtssaison weiter prägen, je genauer Anleger jede einzelne Bilanz auf echte KI-Erträge statt auf reine Kapazitätsversprechen abklopfen.