Luke MichelsTrump erklärt Waffenruhe für beendet: Warum Öl und Aktien trotzdem ruhig bleiben

Nach Trumps Ankündigung, die Waffenruhe mit dem Iran sei hinfällig, meldeten iranische Stellen tote Zivilisten durch US-Angriffe. Die Märkte reagierten überraschend gefasst, während sich hinter den Kulissen bereits neue Gespräche anbahnen.
- Trump erklärte per Truth Social die Waffenruhe mit dem Iran für beendet
- Iranische Stellen melden 14 Tote und Dutzende Verletzte durch US-Angriffe
- Parallel laufen laut Bloomberg weiter US-iranische Gespräche
- Brent stabilisiert sich bei 76,55 Dollar, deutlich unter der zwischenzeitlichen Marke von 80 Dollar
- Yardeni warnt vor Inflationsschub und möglichen Fed-Zinserhöhungen
Ein Satz auf Truth Social genügte, um die Nerven an den Finanzmärkten neu zu testen: Donald Trump erklärte die Waffenruhe mit dem Iran für hinfällig. Kurz darauf meldeten iranische Behörden, bei anschließenden US-Angriffen seien 14 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Gleichzeitig berichtet Bloomberg, dass amerikanische und iranische Vertreter weiter miteinander sprechen, ein US-Vertreter betonte, Washington bleibe an einer Lösung interessiert. Das Paradox dieser Tage: Auf die Eskalationsmeldung folgte kein Absturz, sondern eine bemerkenswert gefasste Marktreaktion.
Warum blieb der große Ausverkauf aus?
Der eigentliche Schock kam bereits am Dienstag, als der DAX laut Handelsblatt rund 600 Punkte verlor und sich von seinen jüngsten Rekorden entfernte. Seither scheint ein Großteil des Risikos eingepreist: Am Donnerstag drehten die wichtigsten Indizes bereits wieder ins Plus, getragen vor allem von Halbleiterwerten. Auch der Ölpreis blieb trotz der weiterhin faktisch blockierten Straße von Hormus überschaubar, Brent notiert aktuell bei 76,55 Dollar und damit deutlich unter der Marke von 80 Dollar, die zwischenzeitlich in dieser Woche kurz überschritten wurde.
Die Fed als zweiter Unsicherheitsfaktor
Parallel zur geopolitischen Lage wächst die Nervosität um die Geldpolitik der US-Notenbank Fed (Federal Reserve). New-York-Fed-Chef Williams nennt die durch künstliche Intelligenz getriebene Nachfrage als zentralen Inflationstreiber in den USA. Marktstratege Ed Yardeni warnt zudem, ein endgültiger Bruch der Waffenruhe könne die Inflation neu anheizen und die Fed, sollte wie von Trump favorisiert Kevin Warsh künftig den Vorsitz übernehmen, zu Zinserhöhungen zwingen. Das jüngste Sitzungsprotokoll zeigt bereits eine gespaltene Notenbank, die sich über den weiteren Kurs uneinig ist. Für die Märkte bedeutet das: Die eigentliche Frage ist nicht mehr allein, wie sich der Iran-Konflikt entwickelt, sondern ob geopolitisches Risiko und Zinspolitik gleichzeitig zur Belastung werden.