Luke MichelsTrump lässt Hormus-Vorschlag platzen: Warum Europas Börsen hoffen, während Wall Street erschrickt

Während DAX, SMI und der griechische Athex am Montag auf neue Iran-Gespräche setzen, brechen die US-Futures deutlich ein. Auslöser ist Donald Trumps Absage an einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus, die den Ölpreis nach oben und die Anleiherenditen auf ein Fast-Zwei-Dekaden-Hoch treibt.
- DAX startet 0,2 Prozent höher, SMI und Athex (plus 2 Prozent) profitieren von Hoffnung auf neue Iran-Gespräche
- S&P-500-Futures fallen 0,6 Prozent, Nasdaq-Futures rund 1 Prozent, US-Terminmärkte drehen ins Minus
- Trump nennt iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus über das Wochenende nicht annehmbar
- WTI springt zeitweise über 4 Prozent auf fast 96,44 Dollar, Brent pendelt sich bei rund 107 Dollar ein
- US-Zehnjahresrendite erreicht laut Bloomberg ein Fast-Zwei-Dekaden-Hoch, Dollar legt zu, Marktteilnehmer erwarten eher eine Zinserhöhung der Fed im Oktober
Selten liegen Hoffnung und Furcht am selben Morgen so nah beieinander. In Frankfurt, Zürich und Athen starten die Börsen am Montag fester, weil Anleger auf weitere diplomatische Gespräche zwischen Washington und Teheran setzen. Fast zeitgleich brechen die US-Futures ein, der S&P 500 verliert vorbörslich 0,6 Prozent, der Nasdaq rutscht um rund 1 Prozent ab. Dieselbe Nachricht treibt beide Reaktionen an, nur wird sie diesseits und jenseits des Atlantiks unterschiedlich gelesen.
Auslöser ist, dass Donald Trump über das Wochenende einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus als nicht annehmbar zurückgewiesen hat. Für europäische Anleger bleibt trotzdem die Erwartung, dass weitere Gespräche folgen könnten, das reicht für vorsichtigen Optimismus. Für die Wall Street zählt dagegen die unmittelbare Folge: Der Ölpreis springt nach oben, WTI-Rohöl steigt zeitweise auf fast 96,44 Dollar je Barrel.
Warum die Renditen zur eigentlichen Gefahr werden
Der Ölpreisschock trifft auf einen Anleihemarkt, der ohnehin unter Druck steht. Die zehnjährige US-Rendite erreicht laut Bloomberg ein Fast-Zwei-Dekaden-Hoch, der Dollar legt zu. Steigende Energiepreise nähren Inflationssorgen, und diese Sorgen verstärken die Markterwartung, dass die Federal Reserve im Oktober die Zinsen anhebt. Genau diese Kombination aus teurem Öl und teurem Kapital macht US-Investoren nervös, während europäische Anleger die diplomatische Tür noch für halb offen halten.
Zwei Lesarten derselben Nachricht
Für die Wall Street bedeutet das: Wachstumswerte, die auf günstige Finanzierung angewiesen sind, geraten unter Druck, sobald die Zinserwartung steigt. Für DAX, SMI und den griechischen Athex zählt dagegen vorerst, dass überhaupt noch verhandelt wird. Ob dieser Unterschied trägt, hängt davon ab, ob aus der Gesprächsbereitschaft tatsächlich eine Entspannung an der Ölfront wird oder ob der Ölpreis die Stimmung am Ende auch in Europa einholt. Beide Szenarien bleiben offen, solange keine neuen Signale aus Washington oder Teheran vorliegen.