Luke MichelsHome Depot und Walmart vor den Zahlen: Verkraften US-Konsumenten die schwache Kauflaune?

Nur wenige Tage vor den Quartalszahlen von Home Depot und Walmart sorgen überraschend schwache US-Einzelhandelsdaten für Nervosität. Die Frage lautet, ob sich die Kaufzurückhaltung der Verbraucher bereits in den Bilanzen der beiden Handelsriesen niederschlägt.
- US-Einzelhandelsumsätze fielen im Juli um 0,6 Prozent statt des erwarteten Anstiegs von 0,1 Prozent
- Home Depot berichtet am 18. August, Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 4,69 US-Dollar
- Walmart legt am 20. August Zahlen vor, erwartet werden 0,74 US-Dollar je Aktie
- Beide Konzerne gelten wegen ihrer Größe als Frühindikator für die Verfassung des US-Konsumenten
- Sinkende Zinserwartungen könnten die Kauflaune in den kommenden Monaten wieder stützen
Einen Tag bevor Home Depot seine Quartalszahlen präsentiert, ist die Stimmung rund um den US-Konsumenten spürbar vorsichtiger geworden. Am Wochenende sickerten die Details der jüngsten Einzelhandelsdaten durch: Statt des von Volkswirten erwarteten Anstiegs um 0,1 Prozent fielen die Umsätze im Juli um 0,6 Prozent. Für eine Volkswirtschaft, die zu weiten Teilen vom privaten Konsum getragen wird, ist das ein Dämpfer, der ausgerechnet jetzt auf die Berichtssaison der großen Handelskonzerne trifft.
Home Depot legt am Dienstag Zahlen vor, Walmart folgt zwei Tage später. Beide Unternehmen gelten wegen ihrer schieren Größe und ihrer breiten Kundenbasis als eine Art Fieberthermometer für die Kauflaune der Amerikaner, weit über ihre jeweiligen Branchen hinaus.
Warum die schwachen Daten nicht zwangsläufig schlechte Zahlen bedeuten
Die Einzelhandelsstatistik misst den Gesamtmarkt, nicht die Position einzelner Ketten innerhalb dieses Marktes. Walmart hat in den vergangenen Quartalen wiederholt davon profitiert, dass preisbewusste Kunden von teureren Anbietern zu Discountern wechseln, wenn das Haushaltsbudget enger wird. Eine schwächere Gesamtkonjunktur muss für den Konzern also nicht zwangsläufig negativ sein, im Gegenteil könnte sie das Geschäftsmodell sogar stützen.
Bei Home Depot liegt der Fall anders. Das Unternehmen ist stärker von größeren, oft kreditfinanzierten Anschaffungen im Bereich Wohnen und Renovierung abhängig. Hier trifft die Kombination aus schwacher Konsumlaune und weiterhin erhöhten Finanzierungskosten empfindlicher, auch wenn zuletzt sinkende Zinserwartungen für etwas Entlastung gesorgt haben.
Der Blick auf die Erwartungen
Analysten rechnen bei Home Depot mit einem Gewinn je Aktie von 4,69 US-Dollar, bei Walmart mit 0,74 US-Dollar. Beide Werte sind an sich moderat gesetzt, doch angesichts der frischen Konjunkturdaten dürfte der Markt weniger auf die reine Zahl schauen als auf den Ausblick der Management-Teams für das laufende Weihnachtsquartal. Genau dort würde sich eine anhaltende Kaufzurückhaltung zuerst zeigen.
Wie die beiden Handelsriesen die Stimmungslage in ihren eigenen Prognosen einordnen, lässt sich in den kommenden Tagen auf VAIQ weiterverfolgen.